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Abkehrbesen – Wichtiges Imkerwerkzeug für schonendes Arbeiten

Abkehrbesen – Wichtiges Imkerwerkzeug für schonendes Arbeiten
Was ist ein Abkehrbesen und wofür wird er verwendet?
Der Abkehrbesen gehört zu den grundlegenden Werkzeugen eines jeden Imkers und ist besonders in der Honigernte unverzichtbar. Sein Hauptzweck besteht darin, Bienen vorsichtig von den Waben zu entfernen, ohne sie zu verletzen oder zu stressen. Dieser Vorgang wird als Abkehren bezeichnet und ist ein zentraler Arbeitsschritt, wenn Honigwaben aus dem Volk entnommen werden sollen. Der Abkehrbesen ermöglicht es, die Bienen gezielt und kontrolliert von den Waben zu lösen, sodass die Waben anschließend ohne größere Störungen geerntet werden können.
Neben der Honigernte kommt der Abkehrbesen auch bei anderen Arbeiten am Bienenvolk zum Einsatz. Dazu gehören beispielsweise das Umsetzen von Waben innerhalb des Volkes oder das Kontrollieren von Brutwaben. In diesen Fällen dient er dazu, die Bienen sanft zur Seite zu schieben, um einen besseren Zugang zu den Waben zu ermöglichen. Der Abkehrbesen ist damit ein vielseitiges Werkzeug, das sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Imker eine wichtige Rolle spielt.
Die Geschichte des Abkehrbesens: Von Gänseflügeln zu modernen Borsten
Die Verwendung von Hilfsmitteln zum Abkehren von Bienen hat eine lange Tradition in der Imkerei. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein nutzten viele Imker natürliche Materialien wie Gänseflügel oder andere Vogelfedern, um Bienen schonend von den Waben zu lösen. Diese Methode war zwar effektiv, aber nicht immer praktisch, da die Federn schnell verschlissen und schwer zu reinigen waren. Zudem war die Handhabung oft umständlich, da die Federn nicht immer in ausreichender Menge verfügbar waren.
Mit der Weiterentwicklung der Imkerei wurden spezielle Abkehrbesen entwickelt, die aus natürlichen oder synthetischen Borsten bestehen. Heute sind Abkehrbesen mit Borsten aus Rosshaar oder Kunststofffasern wie Perlon am weitesten verbreitet. Rosshaar ist besonders weich und schonend für die Bienen, während Kunststoffborsten langlebiger und einfacher zu reinigen sind. Beide Materialien haben sich in der Praxis bewährt, wobei die Wahl oft von persönlichen Vorlieben und dem Einsatzgebiet abhängt.
Einige Imker schwören nach wie vor auf traditionelle Methoden und verwenden weiterhin Gänseflügel, insbesondere in der biologischen Imkerei oder bei der Arbeit mit besonders empfindlichen Völkern. Allerdings ist diese Praxis heute eher die Ausnahme und wird vor allem aus nostalgischen Gründen oder in speziellen Situationen fortgeführt.
Materialien und Bauformen: Worauf beim Kauf achten?
Beim Kauf eines Abkehrbesens sollten Imker auf mehrere Faktoren achten, um ein Werkzeug zu wählen, das sowohl funktional als auch langlebig ist. Die wichtigsten Kriterien sind das Material der Borsten, die Länge des Stiels und die Handhabung des Besens.
Natürliche Borsten: Rosshaar
Abkehrbesen mit Borsten aus Rosshaar gelten als besonders schonend für die Bienen. Rosshaar ist weich, flexibel und verursacht kaum Verletzungen beim Abkehren. Zudem ist es biologisch abbaubar und umweltfreundlich. Allerdings sind Rosshaar-Besen weniger langlebig als ihre synthetischen Pendants und müssen nach häufigem Gebrauch gereinigt und getrocknet werden, um Schimmelbildung zu vermeiden. Rosshaar-Besen eignen sich besonders für Imker, die Wert auf eine besonders sanfte Behandlung der Bienen legen oder in der biologischen Imkerei arbeiten.
Synthetische Borsten: Perlon und andere Kunststoffe
Kunststoffborsten wie Perlon sind eine robuste und pflegeleichte Alternative zu natürlichen Materialien. Sie sind langlebig, einfach zu reinigen und trocknen schnell. Zudem sind sie in der Regel günstiger als Rosshaar-Besen und widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit. Allerdings können zu harte Kunststoffborsten die Bienen verletzen, wenn sie nicht vorsichtig eingesetzt werden. Beim Kauf sollte daher auf die Weichheit der Borsten geachtet werden. Synthetische Abkehrbesen eignen sich besonders für Imker, die viel mit ihren Völkern arbeiten und ein langlebiges Werkzeug benötigen.
Die Länge des Stiels: Komfort und Reichweite
Die Länge des Stiels eines Abkehrbesens ist ein weiterer wichtiger Faktor. Ein zu kurzer Stiel kann zu einer unbequemen Haltung führen, insbesondere bei größeren Völkern oder tieferen Beuten. Ein zu langer Stiel hingegen kann die Handhabung erschweren und die Kontrolle über den Besen beeinträchtigen. Die meisten Abkehrbesen haben eine Stiellänge zwischen 20 und 30 Zentimetern. Für Imker, die größere Beuten oder Magazinbeuten nutzen, kann ein längerer Stiel sinnvoll sein, um auch die hinteren Waben problemlos erreichen zu können. Für kleinere Beuten oder Anfänger empfiehlt sich ein kürzerer Stiel, der eine bessere Kontrolle ermöglicht.
Griff und Handhabung: Ergonomie und Sicherheit
Ein guter Abkehrbesen sollte einen rutschfesten Griff haben, der auch bei feuchten Händen einen sicheren Halt bietet. Viele Modelle verfügen über einen Griff aus Holz oder Kunststoff, der ergonomisch geformt ist. Einige Imker bevorzugen Griffe mit einer leichten Krümmung, um die Handgelenke zu entlasten. Zudem sollte der Besen leicht sein, um Ermüdungserscheinungen bei längerem Gebrauch zu vermeiden. Beim Kauf lohnt es sich, verschiedene Modelle in die Hand zu nehmen und auf die persönliche Passform zu achten.
Der richtige Einsatz des Abkehrbesens: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Der Abkehrbesen ist ein einfaches, aber effektives Werkzeug, dessen richtige Anwendung entscheidend ist, um die Bienen nicht zu verletzen oder zu stressen. Ein unsachgemäßer Einsatz kann zu aggressivem Verhalten der Bienen führen oder sogar zu Verletzungen der Königin. Daher sollte der Imker einige grundlegende Regeln beachten.
Vorbereitung: Wann und wie wird der Abkehrbesen eingesetzt?
Der Abkehrbesen kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Honigwaben aus dem Volk entnommen werden sollen. Dies ist in der Regel während der Haupttrachtzeit der Fall, wenn die Bienen viel Honig eingelagert haben und die Waben verdeckelt sind. Der beste Zeitpunkt für die Honigernte ist ein warmer, trockener Tag, an dem die Bienen aktiv sind und weniger aggressiv reagieren. Zudem sollte die Arbeit am besten in den frühen Morgenstunden oder späten Nachmittagsstunden erfolgen, wenn die Bienen weniger aktiv sind und die Temperaturen angenehmer sind.
Vor dem Einsatz des Abkehrbesens sollte der Imker sicherstellen, dass das Volk ruhig ist. Ein aufgeregtes Volk kann durch laute Geräusche oder schnelle Bewegungen zusätzlich gestresst werden. Der Imker sollte daher langsam und bedacht arbeiten, um die Bienen nicht unnötig zu beunruhigen.
Technik des Abkehrens: So geht’s richtig
Der Abkehrbesen wird mit einer sanften, fegenden Bewegung über die Waben geführt, um die Bienen vorsichtig zur Seite zu schieben. Dabei sollte der Besen leicht schräg gehalten werden, um die Bienen nicht zu zerdrücken oder zu verletzen. Die Borsten sollten die Waben nur leicht berühren, um die Bienen nicht zu erschrecken oder zu verletzen. Ein zu starker Druck kann dazu führen, dass die Bienen aggressiv reagieren oder sogar die Königin verletzt wird.
Es empfiehlt sich, den Besen in Richtung des Fluglochs zu führen, da die Bienen in der Regel dorthin streben. Auf diese Weise lassen sie sich leichter abkehren und kehren schneller zu ihren Aufgaben zurück. Der Imker sollte darauf achten, dass keine Bienen zwischen den Waben eingeklemmt werden, da dies zu Verletzungen führen kann. Besonders vorsichtig sollte man an den Rändern der Waben arbeiten, wo die Bienen oft dichter sitzen.
Ein weiterer Tipp ist, den Abkehrbesen nicht zu lange an einer Stelle einzusetzen. Wenn die Bienen unruhig werden, sollte der Imker kurz pausieren und abwarten, bis sie sich wieder beruhigt haben. Ein zu langes Arbeiten an einer Wabe kann die Bienen zusätzlich stressen und zu aggressivem Verhalten führen.
Nach dem Abkehren: Was ist zu beachten?
Nach dem Abkehren der Bienen von den Waben sollte der Imker die Waben schnellstmöglich entnehmen, um die Bienen nicht unnötig lange ohne ihre Vorräte zu lassen. Die entnommenen Waben sollten in einem geschlossenen Behälter oder einer Transportbox gelagert werden, um zu verhindern, dass weitere Bienen darauf landen oder sich darin verfangen. Zudem sollte der Imker darauf achten, dass keine Bienen in der Transportbox eingeschlossen werden, da dies zu Verletzungen oder Stress führen kann.
Nach der Arbeit am Volk sollte der Imker die Bienen mit etwas Rauch aus dem Smoker beruhigen, falls sie unruhig geworden sind. Dies hilft, die Bienen zu besänftigen und weitere aggressive Reaktionen zu vermeiden. Zudem sollte der Imker die Waben und das Werkzeug nach der Arbeit reinigen, um sicherzustellen, dass keine Krankheitserreger oder Parasiten übertragen werden.
Pflege und Lagerung: So bleibt der Abkehrbesen lange einsatzbereit
Ein gut gepflegter Abkehrbesen hält viele Jahre und bleibt funktional. Die Pflege hängt dabei vom Material der Borsten ab. Rosshaar-Besen sollten nach jedem Einsatz gründlich gereinigt und vollständig getrocknet werden, um Schimmelbildung zu vermeiden. Kunststoffborsten lassen sich in der Regel einfacher reinigen und können auch mit Wasser abgespült werden. Allerdings sollten auch sie nach Gebrauch getrocknet werden, um die Bildung von Bakterien oder Pilzen zu verhindern.
Bei der Lagerung sollte der Abkehrbesen an einem trockenen, gut belüfteten Ort aufbewahrt werden. Rosshaar-Besen sollten nicht zu stark gebogen oder gepresst werden, da dies die Borsten beschädigen kann. Kunststoffbesen können in einer Werkzeugkiste oder einem Imkerkoffer gelagert werden, sofern sie vor Feuchtigkeit geschützt sind.
Ein weiterer Tipp ist, den Abkehrbesen regelmäßig auf Beschädigungen zu überprüfen. Abgenutzte oder ausgefranste Borsten sollten ausgetauscht werden, da sie die Bienen verletzen können. Besonders bei Rosshaar-Besen ist es ratsam, sie nach etwa zwei bis drei Jahren auszutauschen, da die Borsten mit der Zeit an Elastizität verlieren und weniger schonend wirken.
Alternative Methoden: Wann lohnt sich ein Gänseflügel?
Obwohl der Abkehrbesen heute das Standardwerkzeug für das Abkehren von Bienen ist, nutzen einige Imker nach wie vor Gänseflügel oder andere Vogelfedern. Diese Methode hat den Vorteil, dass die Federn besonders weich und schonend für die Bienen sind. Zudem hinterlassen sie keine Rückstände auf den Waben, was in der biologischen Imkerei oder bei der Arbeit mit empfindlichen Völkern von Vorteil sein kann.
Allerdings ist die Verwendung von Gänseflügeln mit einigen Nachteilen verbunden. Zum einen sind sie weniger langlebig und müssen häufiger ausgetauscht werden. Zum anderen sind sie in der Anschaffung oft teurer und schwerer zu beschaffen als ein Abkehrbesen. Zudem erfordert die Handhabung etwas Übung, da die Federn weniger stabil sind als ein Besen und schneller beschädigt werden können.
Ein Gänseflügel eignet sich besonders für Imker, die nur gelegentlich mit ihren Völkern arbeiten oder in der biologischen Imkerei tätig sind. Für Imker, die regelmäßig Honig ernten oder größere Völker betreuen, ist ein Abkehrbesen in der Regel die praktischere Wahl.
Tipps für Anfänger: Den Abkehrbesen sicher und effektiv einsetzen
Für Imker-Anfänger kann der Einsatz des Abkehrbesens zunächst ungewohnt sein. Mit etwas Übung und den richtigen Techniken lässt sich das Abkehren jedoch schnell erlernen. Hier sind einige Tipps, die den Einstieg erleichtern:
- Üben an ruhigen Völkern: Bevor Sie den Abkehrbesen an einem starken Volk einsetzen, sollten Sie die Technik an einem ruhigen Volk oder sogar an einer leeren Beute üben. So können Sie sich mit der Handhabung vertraut machen, ohne die Bienen zu stressen.
- Sanfte Bewegungen: Vermeiden Sie ruckartige oder zu starke Bewegungen. Die Borsten sollten die Waben nur leicht berühren, um die Bienen nicht zu erschrecken.
- Richtige Haltung des Besens: Halten Sie den Abkehrbesen leicht schräg, um die Bienen schonend zur Seite zu schieben. Ein zu flacher oder zu steiler Winkel kann dazu führen, dass die Bienen eingeklemmt oder verletzt werden.
- Arbeiten in Richtung des Fluglochs: Führen Sie den Besen in Richtung des Fluglochs, da die Bienen dorthin streben. So lassen sie sich leichter abkehren und kehren schneller zu ihren Aufgaben zurück.
- Pausen einlegen:
Wenn die Bienen unruhig werden, machen Sie eine kurze Pause und warten Sie, bis sie sich wieder beruhigt haben. Ein zu langes Arbeiten an einer Wabe kann die Bienen zusätzlich stressen.Schutzausrüstung tragen: Auch wenn der Abkehrbesen ein schonendes Werkzeug ist, sollten Sie immer eine Imkerjacke oder zumindest Handschuhe tragen, um sich vor Stichen zu schützen. Besonders Anfänger sollten auf einen ausreichenden Schutz achten.
Fazit: Der Abkehrbesen als unverzichtbares Werkzeug in der Imkerei
Der Abkehrbesen ist ein einfaches, aber unverzichtbares Werkzeug für jeden Imker. Er ermöglicht es, Bienen schonend von den Waben zu entfernen, ohne sie zu verletzen oder zu stressen. Ob aus Rosshaar oder Kunststoff – die Wahl des Materials hängt von persönlichen Vorlieben und dem Einsatzgebiet ab. Wichtig ist, dass die Borsten weich genug sind, um die Bienen nicht zu verletzen, und dass der Besen ergonomisch gestaltet ist, um eine komfortable Handhabung zu gewährleisten.
Mit der richtigen Technik und etwas Übung wird der Abkehrbesen schnell zu einem vertrauten Werkzeug, das die Arbeit am Bienenvolk erleichtert. Ob bei der Honigernte, beim Umsetzen von Waben oder bei der Kontrolle des Volkes – der Abkehrbesen ist ein zuverlässiger Helfer, der sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Imker unverzichtbar ist. Durch eine sorgfältige Pflege und Lagerung lässt sich die Lebensdauer des Besens verlängern, sodass er über viele Jahre hinweg zuverlässig seinen Dienst verrichtet.
Für Imker, die nach einer schonenden und effektiven Methode suchen, um Bienen von den Waben zu entfernen, ist der Abkehrbesen daher eine lohnende Investition. Mit etwas Geduld und Übung wird er schnell zu einem unverzichtbaren Begleiter in der Imkerei.
Siehe auch: Wabenzieher-Zange / Rähmchenzieher – Werkzeug für schonendes Arbeiten im Bienenvolk, Imkerwerkzeug: Smoker – Rauchapparat für sichere Arbeiten am Bienenstock, Imkerwerkzeuge – die wichtigsten Hilfsmittel für effizientes Arbeiten, Imkerwerkzeug: Stockmeißel / Hebemeißel, Tipps für Anfänger und Interessierte der Bienenhaltung - Vorbereitungen.