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Volksentwicklung
Leitfaden

Volksentwicklung im Jahreslauf

Von acht- auf fünfzigtausend Bienen und zurück. Warum die Kurve so aussieht, was Winter- und Sommerbienen unterscheidet und weshalb der August das nächste Frühjahr baut.

Die Volksstärke eines gesunden Wirtschaftvolks in Mitteleuropa folgt einer wiederkehrenden Kurve: rund 8.000 Bienen im Januar, etwa 50.000 im Juni, unter 20.000 im Oktober. Es sind Richtwerte für Carnica im Magazin, keine Naturgesetze. Lage, Witterung, Genetik und Imkergriff verschieben die Zahlen um Wochen und um zehntausend Tiere.

Die Kurve ist trotzdem der nützlichste Rahmen, den die Imkerei hat. Wer sie liest, weiß, wann Raum fehlt, wann Futter fehlt, wann Varroa gefährlich wird und wann Ruhe die beste Arbeit ist. Das Bienenjahr ist diese Kurve — ausgelegt auf zwölf Monate und vier Leitfäden.

Die Volksstärke ist ein Protokoll, kein Ziel.

Zwei Bienen, ein Volk

Sommerbienen leben etwa sechs Wochen. Sie pflegen, bauen, sammeln und sterben. Winterbienen leben sechs bis acht Monate. Sie sitzen in der Traube, heizen, beginnen im Spätwinter die Brutpflege und tragen den ersten Pollen. Morphologisch sind es Arbeiterinnen derselben Art; physiologisch sind es zwei Werkzeuge.

Deshalb ist der August kein Anhang der Honigsaison. In ihm werden die Tiere erzeugt, ohne die es im März kein Volk gibt. Varroa, Hunger und Pestizide im August treffen nicht 'die Bienen', sondern konkret die Generation, die überwintern muss.

Brut als Motor

Die Königin legt im Frühjahr bis zu 1.500 Eier am Tag, im Herbst fast keine. Jede Arbeiterin braucht rund 21 Tage vom Ei bis zur schlüpfenden Biene. Das bedeutet: eine Entscheidung im März — Platz, Pollen, Wärme — wird erst im April als Volksstärke sichtbar. Umgekehrt wirkt jede Störung der Brut im Juli erst im August als Lücke.

Brut braucht 35 °C und Eiweiß. Nektar allein erzeugt keine Bienen. Pollenmangel im Februar und März bremst die Kurve stärker als ein kalter Tag. Deshalb stehen Weide, Hasel und Obstblüte im Kalender nicht als Dekoration, sondern als Voraussetzung der Volksentwicklung.

Die Kurve lesen

Anstieg März bis Juni: Raum geben, Schwarm verhindern, ernten. Knick nach der Sonnenwende: nicht als Krankheit missverstehen. Abfall Juli bis Dezember: Winterbienen schützen, füttern, behandeln, Sitz verengen. Plateau im Winter: nicht öffnen.

Abweichungen sind Diagnosen. Ein Volk, das im Mai nicht wächst, hat oft keine Königin, zu wenig Pollen oder eine Krankheit. Ein Volk, das im September noch auf drei Zargen sitzt, hat oft zu viel Raum und zu wenig Ordnung. Die Zahlen im Diagramm sind der Normalfall, gegen den man das eigene Volk hält.

Quellen & BelegeFachliteratur zur Volksentwicklung, Carnica, MitteleuropaImkerliche Praxis und Trachtkalender